Bier und Brauereien in Ulm und Umgebung

In Ulm und Umgebung gibt es alteingesessene und vergleichsweise neue Brauereien. Eine hat Napoleon einst "besucht". Bereits vor mehr als 500 Jahren regelte eine Bierordnung in der Stadt an der Donau den Brauprozess. Heute reicht das Angebot von Klassikern wie Pils, Lager und Weizen bis hin zu India Pale Ales und anderen Craft Beer-Kreationen. Einmal im Jahr präsentieren sich Bierbetriebe aus der Region auf dem Kleinbrauermarkt direkt am Ulmer Münster. Ein paar historische Aspekte sowie eine Übersicht mit Brauereien und Tipps, wo man was trinken kann. >Weitere Bilder

Das Brauwesen hat sich in Ulm – wie andernorts in Deutschlands auch – über die Jahrhunderte stark verändert. Im ausgehenden Mittelalter war die am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb an der Donau gelegene Freie Reichsstadt ein Zentrum des regionalen Weinhandels. Allerdings hat natürlich auch Bier bereits eine Rolle gespielt. Als die Weinpreise Ende des 15. Jahrhunderts stiegen, zog die Nachfrage an und der Ulmer Stadtrat beschloss, den Brauprozess gesetzlich zu regeln, unter anderem, um den Verkauf von potentiell gesundheitsschädlichen Gebräuen zu verhindern. 1486 forderte man in Nördlingen, Lauingen und Giengen an der Brenz Abschriften von Bierordnungen an, die dort bereits erlassen worden waren. Überliefert ist, dass die Verwaltung von Nördlingen ein entsprechendes Dokument geschickt hat – es befindet sich heute im Ulmer Stadtarchiv -, das anschließend als Vorlage für die erste Ulmer Bierordnung diente. Darin wurde festgelegt, dass Bier ausschließlich mit Wasser, Gerste und Hopfen gebraut werden darf. In verschiedenen Quellen heißt es, dass die Vorschrift bereits 1486 in Kraft trat – also bevor das bekannte bayerische Reinheitsgebot 1516 in Ingolstadt verkündet wurde. Das ist gut möglich, lässt sich aber nicht eindeutig belegen. Die entsprechende Urkunde ist undatiert. Sicher ist, dass die Ulmer Bierordnung spätestens 1515 galt. Aus diesem Jahr sind Polizeiverordnungen erhalten, die sich auf das Regelwerk beziehen.

Ulmer Bierordnung und Münster
Links: Ulmer Bierordnung, die wahrscheinlich Anfang des 16. Jahrhunderts erstellt wurde. Im Stadtarchiv sind mehrere Versionen erhalten (Quelle: Stadtarchiv Ulm, Bestand A [2366]). Rechts: Lokales Bier vor dem Ulmer Münster

Brauereien kamen und gingen
Im 17. Jahrhundert stieg die Zahl der Brauereien in Ulm deutlich an. 1615 waren fünf Betriebe urkundlich erfasst. 1668 waren es bereits 17. Der stärkste Zuwachs erfolgte im Zuge der Industrialisierung. 1870 wurde mit über 40 Braustätten der historische Höchststand erreicht. Danach nahm die Zahl schnell wieder ab. Für 1900 weisen Statistiken noch 20 aktive Unternehmen aus, 1910 waren es nur noch neun. Um das Jahr 1890 war der Pro-Kopf-Bierkonsum in Ulm angeblich der höchste in ganz Württemberg. Das lässt sich wohl nicht zuletzt dadurch erklären, dass die damals 40.000 Einwohner zählende Stadt mit ihrer Bundes- bzw. Reichsfestung im 19. Jahrhundert ein wichtiger Militärstandort war und dort zahlreiche "bierdurstige" Soldaten stationiert waren.

Heute leben in Ulm rund 120.000 Menschen. Weitere gut 55.000 zählt das zu Bayern gehörende Neu-Ulm, das südlich der Donau nahtlos an das Stadtgebiet anschließt. In Ulm selbst gab es lange zwei größere Brauereien. Eine davon, die Ulmer Münster Brauerei, wurde im Jahr 2.000 von der Memminger Brauerei übernommen, die die Produktion in Ulm 2002 komplett einstellte. In ihren besten Zeiten hat die Münster Brauerei bis zu 340.000 Hektoliter pro Jahr produziert. Derzeit bietet die Memminger Brauerei zwar noch ein paar Sorten unter der Markenbezeichnung Ulmer Münster Bier an. Man findet es aber immer seltener.

Nur noch eine größere Brauerei im Stadtgebiet
Als Platzhirsch übriggeblieben ist die Brauerei Gold Ochsen, deren Wurzeln bis ins Jahr 1597 zurückreichen. Pro Jahr füllt das Unternehmen mit fast 200 Mitarbeitern um die 520.000 Hektoliter Getränke ab, etwa 260.000 Hektoliter entfallen auf Bier. Das Sortiment umfasst rund 20 Gerstensäfte und Mischgetränke. Neben Standards wie Pils, Export und Hefeweizen sind seit ein paar Jahren auch ein helles und dunkles Kellerbier sowie ein Kellerweizen im Angebot – alle drei unfiltriert. Saisonal sind auch Kreationen wie Bock-, Jahrgangs- und Weihnachtsbier erhältlich. Gerstensäfte von Gold Ochsen haben bereits Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben geholt. 2016 war die Brauerei zusammen mit einem Bierhersteller aus Bayern der erfolgreichste deutsche Teilnehmer am European Beer Star, ihr Kristallweizen hat bereits Gold und Silber beim World Beer Cup erhalten, um nur einige Beispiele zu nennen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf gut 100 Kilometer von Ulm bis zum Schwarzwald, Bodensee und bis ins Hohenloher Land sowie ins Bayerisch-Schwäbische. In der lokalen Gastronomie sind Gold Ochsen-Biere stark vertreten. Mittlerweile betreibt die Brauerei auch einen Onlineshop.

Brauerei Gold Ochsen
Der größte Bierhersteller in Ulm. Die seit 1597 bestehende Brauerei Gold Ochsen

Brauerei mit historischem Eisgalgen
Rund 2.000 Hektoliter Bier pro Jahr stellt die 1887 gegründete Kronenbrauerei im Ulmer Stadtteil Söflingen her. Das Angebot reicht von Weizen- und Lagerbier bis hin zum unfiltrierten Kellerpils und Natureis-Bock. Der Betrieb setzt bis heute auf die traditionelle Natureisgewinnung. Dabei wird eine Gerüstkonstruktion ("Natureisgalgen") im Winter mit Wasser besprüht, bis sich lange Eiszapfen bilden. Diese werden anschließend "geerntet" und im Lagerkeller zur Kühlung des reifenden Bieres verwendet. Das Verfahren war vor der Erfindung elektrischer Kühlgeräte im 19. Jahrhundert verbreitet.
Erhältlich sind die Biere der Kronenbrauerei in einigen Getränkemärkten in der näheren Umgebung sowie im Brauereigasthof am Unternehmenssitz, wo schwäbische Gerichte serviert werden. Für Veranstaltungen stehen mehrere Räume zur Verfügung. Im Sommer wird auch im Innenhof der Brauerei bewirtet, von wo aus die Gäste in das Sudhaus blicken können. 

Brauerei Krone in Söflingen
Die Brauerei Krone im Ulmer Stadtteil Söflingen

Von klassisch bis trendy
In der Nähe des Ulmer Münsters, das für den mit 161,5 Metern höchsten Kirchturm der Welt bekannt ist, wurde 1990 die Barfüßer Hausbrauerei eröffnet. Die Bezeichnung stammt von einem ehemaligen Kloster von Franziskaner Mönchen, früher auch "Barfüßer" genannt, das fast an derselben Stelle stand. Nach und nach nahmen mehrere Barfüßer-Ableger in Neu-Ulm, Memmingen, Weißenhorn, Reutlingen und anderen Städten den Betrieb auf. In Ulm und Neu-Ulm gehören zur von Eberhard "Ebbo" Riedmüller geführten Barfüßer-Gruppe weitere Standorte, darunter ein Lokal mit Biergarten direkt am Donauufer in Neu-Ulm. Serviert werden gutbürgerliche Speisen, ausgeschenkt werden eigene Biere. Die Gäste können zwischen den Varianten "Barfüßer Blonde", "Weiße" und "Schwarze" wählen. Mittlerweile entstehen in den Barfüßer-Brauanlagen auch Craft Beer-Kreationen unter der Markenbezeichnung "Urban Monk" ("Urban Monk Black Betty Porter", "Rusty Red", "Greenhorn Ale" etc.).
Im Mai 2017 hat die Barfüßer-Gruppe ihren "Ur-Standort" am Lautenberg 1 in Ulm geschlossen und nicht weit davon entfernt in der Neuen Straße in der Innenstadt ein neues Brauhaus und Hotel eröffnet. Bis zu 1.000 Hektoliter Bier können dort pro Jahr hergestellt werden. Kredenzt werden nicht nur eigene Gerstensäfte, sondern auch India Pale Ales und andere nicht alltägliche Sorten verschiedener süddeutscher Brauereien.

Biere aus Ulm
Ein paar Biere aus Ulm und Neu-Ulm

Craft Beer aus der eigenen Manufaktur
Eine weitere Braustätte betreibt die Ulmer Messecatering & Events GmbH & Co. KG in ihrer Manufaktur im Ulmer Donautal, wo pro Woche rund 1.500 Liter Bier entstehen. Ständig erhältlich sind ein Blondes ("Primero"), ein Weizenbier ("Ambra") und ein India Pale Ale ("Opale"). Obendrauf gibt es über das Jahr verteilt sieben weitere Biere. Die kann man im Hotel Lago trinken und im Restaurant BellaVista in Münsternähe, zu dem eine Dachterrasse gehört, von der aus die Besucher eine gute Aussicht auf die Ulmer Innenstadt haben.

Barfüßer und BellaVista
Bierziele in der Ulmer Innenstadt: Barfüßer (l.) und BellaVista (oberes Stockwerk) mit Dachterrasse

Napoleon war schon zu Gast
Eine weitere Brauerei findet man auf der anderen Seite der Donau in Neu-Ulm. Der Stadtteil Offenhausen beherbergt das Schlössle, laut eigenen Angaben eine der ältesten kleinen Privatbrauereien in Bayern. Der Familienbetrieb mit Gaststätte residiert in einem denkmalgeschützten Patrizierhaus aus dem 16. Jahrhundert. 1805 hat Napoleon dort gastiert und zugesehen, wie seine Truppen das benachbarte Ulm eroberten.
Gebraut wird im Schlössle seit 1690. Heute ist das Bierangebot zugleich traditionell und innovativ: Neben Varianten wie Hefeweizen, Märzen und Zwickel stehen im Wechsel Wechsel verschiedene Ales, Doppelbock mit Schokolade oder auch mit Champagnerhefe vergorenes Triple-Bier mit mehr als 22 Prozent Stammwürze auf der Getränkekarte. In der Brauerei finden regelmäßig Bier- und Whisky-Seminare statt.
Serviert werden im Schlössle Brotzeiten, schwäbische Spezialitäten, Fischgerichte und vieles mehr. Bei der Zubereitung kommt teilweise auch Bier zum Einsatz. Der Gaststättenbereich umfasst zwei Räume, Platz für rund 400 Besucher bietet ein Biergarten mit alten Kastanienbäumen. Der wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem haben ihn die Besucher des Internetportals Biergartenfreunde.de 2012 zum beliebtesten Biergarten Deutschlands (Kategorie: 200 – 499 Plätze) gewählt.

Brauerei Schlössle




Brauerei mit preisgekröntem Biergarten: Das Schlössle in Neu-Ulm

Kleinbrauermarkt auf dem Münsterplatz
Die Brauerei Schlössle und die Kronenbrauerei präsentieren sich jedes Jahr zusammen mit einem Dutzend Bierherstellern aus der Umgebung auf dem Kleinbrauermarkt (www.kleinbrauer.de) direkt am Ulmer Münster. Mehr als 50 verschiedene Biere können die Besucher an den Ständen der Betriebe probieren, die zusammen mit weiteren Unternehmen in den nächsten Abschnitten vorgestellt werden.

Kleinbrauermarkt in Ulm
Auf dem Kleinbrauermarkt in Ulm können die Besucher jedes Jahr mehr als 50 verschiedene Biere probieren.

Brauereien im Umland

Im Umland von Ulm und Neu-Ulm gibt es mehrere Braustätten. In der folgenden Übersicht sind diejenigen berücksichtigt, die sich in einem Radius von etwa 30 bis 40 Kilometer rund um die beiden Städte befinden.

Folgt man der Donau von Ulm aus nach Osten, erreicht man nach rund 20 Kilometern Leipheim. In der 7.000 Einwohner zählenden Gemeinde in Bayerisch Schwaben schenkt das Hirschbräu in seiner Gaststätte Helles, Hefeweizen, Dunkles und saisonal auch Bockbier aus. Das Ambiente ist urig-rustikal, serviert werden lokaltypische Speisen. Die Portionen sind groß, die Preise vergleichsweise niedrig. Es gibt ein paar Sitzgelegenheiten im Außenbereich und Gästezimmer.

Etwas mehr als fünf Kilometer östlich von Leipheim liegt – ebenfalls an der Donau – die Stadt Günzburg mit gut 20.000 Einwohnern. Dort ist die auf Weizenbier spezialisierte Radbrauerei ansässig. Von vier Bierherstellern, die es vor Ort nach dem Krieg noch gab, ist sie der einzige, der heute noch existiert.

Biermekka im Osten
Richtig viel probieren können Bierfreunde weitere 15 Kilometer östlich in Gundelfingen (von Ulm gut 40 Kilometer entfernt) an der Donau, wo 2015 in einer alten Weberei die Camba Old Factory eröffnet wurde. Dabei handelt es sich sozusagen um einen Ableger der Brauerei Camba Bavaria im oberbayerischen Seeon, die mit einem breiten Sortiment aufwarten kann. Am Standort in Gundelfingen sind nicht weniger als 40 Biere im Ausschank – vom klassischen Hellen über Märzen bis hin zu Ales, Stouts und Kompositionen mit Kaffee und anderen nicht alltäglichen Komponenten sowie Hopfen aus verschiedenen Ländern. Neben einem Schankraum und einem Biergarten gibt es einen Craft Beer-Shop und eine Show-Brauerei, die Brauer aus der ganzen Welt mieten und nutzen können. Einen Schwerpunkt bildet die Herstellung von holzfassgereiften Bieren. Bier der Brauerei kann online über den Biershop Bayern bestellt werden.

Camba Old Factory
Zwischen 40 Bieren können die Besucher der Camba Old Factory in Gundelfingen wählen.

Brauerei im Stall
Rund zehn Kilometer südöstlich der Ulmer Stadtgrenzen gelangt man in die kleine Gemeinde Holzheim mit knapp 1.900 Einwohnern. Im Ortsteil Neuhausen bietet Bärenbräu neben ganzjährig erhältlichen Sorten auch saisonale Kreationen wie Bock-, Fest- und Whisky-Bier an. Der seit 1996 bestehende Betrieb bewirtet im eigenen Gasthaus mit Biergarten. Die Brauerei befindet sich in einem ehemaligen Stall.

Deutlich größer ist die seit 1650 bestehende Schlossbrauerei Autenried im 15 Kilometer weiter östlich gelegenen Ichenhausen. Ihr Sortiment umfasst rund 20 Biere, von denen viele bereits wiederholt Auszeichnungen bei Wettbewerben erhalten haben. Braugerste baut das Unternehmen selbst an. Das Brauwasser aus eigenem Brunnen ist offiziell als Mineralwasser anerkannt. Als einer von nur noch wenigen Bierherstellern betreibt Autenrieder bis heute eine eigene Mälzerei. Ein wichtiges Standbein ist mittlerweile die Gastronomie. Ende 2009 hat man einen neuen Brauereigasthof mit Vier Sterne-Wohlfühlhotel eröffnet. Es gibt einen Biergarten und eine Braustube. Hotelgäste haben Zugang zu einem Schwimmbad und einem Wellnessbereich. Auch Seminarräume, ein Saal für Veranstaltungen und Ferienwohnungen stehen zur Verfügung. Zudem wurde ein Biermuseum eingerichtet. Das Schloss Autenried, das auf dem Firmen-Areal steht, beherbergt das größte Ikonenmuseum in Deutschland. Jedes Jahr im April wird ein großes Brauereifest veranstaltet. Autenrieder-Biere können online über den Biershop Bayern bestellt werden.

Schlossbrauerei Autenried





Ein Brauereigasthof mit Biergarten sowie ein Hotel und ein Museum gehören zum Ensemble der Schlossbrauerei Autenried.

Seit 1665 besteht der Goldene Engel, eine kleine Brauerei mit Gasthof im bayerisch-schwäbischen Waldstetten, fünf Kilometer weiter südöstlich. Seit 1878 wird der Betrieb von der Familie Mayer geführt, die heute in vierter Generation pro Jahr rund 600 Hektoliter "Keltenbier", "Hausbier", Hefeweizen und andere Sorten braut. Die Gerstensäfte werden im näheren Umkreis durch einen hauseigenen Lieferservice vertrieben und natürlich in der eigenen Gastwirtschaft mit Biergarten ausgeschenkt - vom Fass und aus der Flasche.

Schaubrauen im Gasthaus
Begibt man sich von Ulm aus Richtung Südosten, gelangt man nach 20 Kilometern zu Neumaiers Hirsch Gasthof und Landhotel in Attenhofen. Das gehört zu Weißenhorn (knapp 13.500 Einwohner), neben Augsburg die einzige Stadt, die sich bis heute "Fuggerstadt" nennen darf. Zum Hirsch gehörte lange eine eigene Brauerei, 1963 wurde der Betrieb eingestellt. Seit Anfang 2018 brodelt es wieder in den Braukesseln: Robert Neumaier, Enkel des früheren Brauers, hat die Produktion wiederbelebt und stellt Märzen, Emmerbier und weitere wechselnde Kreationen her. Obendrein finden regelmäßig Bier-Event-Abende und offene Schaubrauseminare statt. Bevor er nach Attenhofen kam, hat Robert Neumaier rund neun Jahre lang ein Brau-Gasthaus mit schwäbischem Cateringservice im Neu-Ulmer Stadtteil Reutti betrieben.

Bier aus dem Ulmer Umland




Ein paar Biere von Brauereien aus der Umgebung von Ulm und Neu-Ulm

Zwei Brauereien für 2.600 Einwohner
Weiter im Südosten – von Ulm knapp 30 Kilometer entfernt – liegt Roggenburg, dessen Ortsbild ein Kloster prägt, an das ein Umwelt- und Kulturzentrum mit überregionalem Einzugsbereich angegliedert ist. In der kleinen Gemeinde herrschen fast schon oberfränkische Verhältnisse: Obwohl dort nur etwas mehr als 2.650 Menschen leben, gibt es dort zwei Brauereien. Im Ortsteil Biberach entstehen bei der 1844 gegründeten Landbrauerei Schmid Helles, Dunkles, Zwickel, Märzen, Weizenbier und saisonal ein Bockbier. Am Firmensitz befindet sich auch ein Gasthaus, das allerdings nur noch selten geöffnet hat. Die Biberacher Brauerei beliefert auch die gastronomischen Einrichtungen des Klosters mit Bier, das dort unter anderem als "Chorherrn hell" verkauft wird.

Brauerei Biberach und Kloster Roggenburg


Brauerei Biberach und Kloster Roggenburg

Auf als "intensiv bernsteinfarben, malzaromatisch, hopfig und untergärig" beschriebenes Märzen sowie "süß und fruchtiges" Weizenbier setzt der seit 1841 bestehende Brauereigasthof Clemens Kolb im Roggenburger Ortsteil Messhofen. Zum Sortiment gehören außerdem ein Bierhefebrand und ein laut Homepage "aus brauereieigenen Rohstoffen komponierter" Bierlikör. Die "Messhofener"-Biere sind nur in wenigen Gaststätten und Verkaufsstellen in der Region erhältlich und werden v.a. direkt in der Brauerei angeboten, zu der eine Wirtschaft mit Biergarten gehört, in dem Kastanienbäume Schatten spenden. Dort gibt es auch eine kleine Auswahl an bierbegleitenden Gerichten.

Schlossbrauerei und Museum im Süden
Westlich von Ulm fließt die Iller in die Donau. Gut 25 Kilometer illeraufwärts in Richtung Süden produziert und serviert die Schlossbrauerei Illertissen Pils, Helles und Dunkles. In eigenen Gasträumen und einem Biergarten stehen regionaltypische Gerichte auf der Speisekarte. Der Betrieb, dessen Geschichte sich bis ins Jahr 1686 zurückverfolgen lässt, befindet sich etwas unterhalb des sog. Vöhlinschlosses, das in exponierter Lage auf einer Anhöhe über der 17.000 Einwohner zählenden Stadt Illertissen thront und in seiner heutigen Form seit Mitte des 16. Jahrhunderts besteht.

Schlossbrauerei Illertissen









Die seit 1686 bestehende Schlossbrauerei in Illertissen vor dem Vöhlinschloss

In Oberroth, etwas mehr als zehn Kilometer südöstlich von Illertissen, hat die Brauerei Reitinger ihren Sitz. Ganzjährig erhältlich sind Weizenbier, Märzen, Pils, Helles und Dunkles. Darüber hinaus werden von Zeit zu Zeit auch Bockbiere angeboten und unter anderem im eigenen Brauereigasthof ausgeschenkt. Der hat allerdings nicht allzu häufig geöffnet. Man muss aber nicht durstig bleiben, wenn man außerhalb der Geschäftszeiten vorbeischaut: Vor der Brauerei steht ein Automat, der mit Bier sowie mit Cola, Limonade, Wasser, Wurst, Grillfleisch, Eiern, Süßigkeiten und weiteren Lebensmitteln bestückt ist. Es ist anzunehmen, dass das Ganze gut ankommt: Die Gemeinde Oberroth zählt weniger als 900 Einwohner, auch die Umgebung ist eher dünn besiedelt. Die Einkaufsmöglichkeiten sind überschaubar…

Laupheim, das 20 Kilometer westlich von Illertissen und 25 Kilometer südwestlich von Ulm liegt, beherbergt die 1753 gegründete Kronenbrauerei. Laut Angaben der Inhaber handelt es sich um den ältesten Betrieb in der knapp 22.000 Einwohner zählenden Stadt. Das Sortiment bilden fünf Biersorten und alkoholfreie Getränke. Darüber hinaus werden auch Bier, Wein, Spirituosen und Softdrinks von anderen Herstellern vertrieben. Am Unternehmenssitz gibt es ein Brauereimuseum mit historischen Geräten und einer Sammlung mit Emailleschildern von Brauereien aus der Region.

Kronenbrauerei Laupheim und Brauerei Reitinger






Die Kronenbrauerei Laupheim und die Brauerei Reitinger in Oberroth

Eine weiterer Bierhersteller im Südwesten von Ulm ist das Adlerbräu im 40 Kilometer entfernten Moosbeuren, einem Ortsteil der etwas mehr als 1.500 Einwohner zählenden Gemeinde Oberstadion. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis 1596 zurück. Nach einer zehnjährigen Pause hat Braumeister Franz-Josef Schökle die Produktion 2014 wieder aufgenommen. Am Firmensitz steht ein Gasthof, in dem auch Fremdenzimmer gebucht werden können.

Adlerbräu Moosbeuren



Im Adlerbräu Moosbeuren wird nach einer zehnjährigen Pause seit 2014 wieder Bier gebraut.

Haferbier und
Bierkulturstadt mit Brauereiwanderweg im Westen
Etwas mehr als 40 Kilometer westlich von Ulm liegt auf der Schwäbischen Alb Römerstein mit der seit 1826 bestehenden Hirschbrauerei Schilling, die ihre Biere (unfiltriertes Kellerpils, Weizen, Export, Dunkles etc.) unter der Markenbezeichnung "Böhringer" verkauft. Online-Bestellungen sind über den Biershop Baden-Württemberg möglich.

Folgt man der Donau von Ulm aus nach Südwesten, erreicht man nach weniger als 15 Kilometern Erbach. Im Ortsteil Dellmensingen befindet sich die Brauerei Adler, zu der ein Gasthof und ein Getränkemarkt gehören. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis ins Jahr 1349 zurück. Eine Besonderheit im Angebot ist Haferbier, das saisonal gebraut wird.

Adler Dellmensingen und Hirschbrauerei Schilling




Die Adlerbrauerei in Erbach-Dellmensingen und die Hirschbrauerei Schilling in Römerstein

"Bierkulturstadt" nennt sich Ehingen, das etwa 20 Kilometer weiter donauaufwärts liegt. Dort können sich die 30.000 Einwohner aus dem Sortiment von vier ortsansässigen Brauereien bedienen, die zusammen mehr als 40 Biere produzieren. Die Brauereien Rössle, Schwert und Schwanen befinden sich in der Innenstadt. Im Gasthaus des seit 1675 bestehenden Schwanen sind übers Jahr verteilt fast 20 verschiedene Biere im Ausschank. Die Palette reicht von Pils, Weizen und Hellem bis hin zu Rauchbier, Weizendoppelbock, Pale Ale und Porter. Der Jahresausstoß beträgt 500 Hektoliter. Auch Brauseminare werden organisiert.
Der größte lokale Bierbetrieb ist die 1466 gegründete Berg Brauerei. Sie hat ihren Sitz in einem Ortsteil außerhalb des Ehinger Kerngebiets. Die Arbeitsweise des Unternehmens kann man sich bei Führungen anschauen. Es gibt eine Brauereiwirtschaft, in der regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Ein Besuchermagnet ist das Ulrichsfest, das die Brauerei jedes Jahr feiert. Berg-Biere können online über den Biershop Baden-Württemberg bestellt werden.
Seit 2009 gibt es einen Bierwanderweg, über den alle vier Ehinger Brauereien erreicht werden können (>weitere Informationen).

Berg Brauerei









Die Berg Brauerei, einer von vier Bierherstellern in Ehingen, die über einen Bierwanderweg erreichbar sind.

Brauereien im Norden: "A gscheits Bier"
Zu Langenau gehört die keine 700 Einwohner zählende Gemeinde Hörvelsingen, weniger als 15 Kilometer nördlich von Ulm. Dort schenkt die Pflugbrauerei in ihrer Gaststätte mit Biergarten Pils, Helles, Dunkles und die Sorte "Spezial" aus. Die Biere entstehen mit Malz von Landwirten aus der Umgebung und Hopfen aus Tettnang. Zutaten von regionalen Lieferanten werden auch für die vor Ort erhältlichen Speisen verwendet. Von schottischen Hochlandrindern aus eigener Züchtung stammt beispielsweise Fleisch, das regelmäßig auf der Karte  steht.

Bezeichnungen wie "Brunnenbier", "Osterhäsle", "Stiefel-Pils" und "Saukalt" tragen Gerstensäfte der 1728 gegründeten Lammbrauerei Hilsenbeck in Gruibingen, gut 40 Kilometer nordwestlich von Ulm. Zusammen mit Inspirationsbräu Esslingen kreiert das Unternehmen auch Craft Beer-Varianten.

Mit dem Slogan "a gscheits Bier" vermarktet die 30 Kilometer nördlich von Ulm in Geislingen an der Steige auf der Schwäbischen Alb ansässige Kaiser-Brauerei ihr Sortiment. Der Betrieb verwendet Rohstoffe von Landwirten aus der Umgebung. Die Auswahl erstreckt sich von Weizen- über Märzenbiere bis hin zum unfiltrierten Kellerpils. Kaiser-Biere sind in der örtlichen Gastronomie und im Getränkehandel erhältlich. Probiert werden können sie auch im Brauereigasthof des Unternehmens, das auch Besichtigungen inklusive Bierproben anbietet.

Ein paar Kilometer weiter nordwestlich produziert die Hirschbrauerei in Söhnstetten pro Jahr rund 4.000 Hektoliter Bier und ist laut eigenen Angaben die kleinste Brauerei im Landkreis Heidenheim im Osten Baden-Württembergs. Das Angebot reicht von Pils und Weizen über Keller- und Dinkel-Braunbier bis hin zum Bierlikör. Die Brauerei betreibt eine eigene Gaststätte.

Von Ulm aus gut 35 Kilometer im Nordosten liegt die baden-württembergische Kleinstadt Giengen. Dort hat nicht nur die bekannte Stofftierfirma Steiff ihren Sitz, sondern auch Schlüsselbräu. Der Betrieb stellt mit Wasser aus einem eigenen Tiefbrunnen sowie mit Rohstoffen aus der Region acht Biersorten her. Die Brauerei kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Vor Ort gibt es einen Gasthof mit Biergarten.

Brauerei Schlüssel in Giengen










Die Brauerei Schlüssel in Giengen an der Brenz

Nur ein paar Kilometer nördlich von Giengen befindet sich in Heidenheim-Oggenhausen die Königsbräu Majer GmbH & Co KG, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1827 zurückverfolgen lässt. Nochmal wenige Kilometer nach Norden sind es bis zur 1847 gegründeten Privatbrauerei Schlumberger in Nattheim, die auch einen Getränkemarkt betreibt. Der Jahresausstoß an eigenen Bieren beträgt 40.000 Hektoliter.

Zahlreiche zusätzliche Bilder finden Sie >hier.

(Stand: 22.8.2018)