Schluckspechte und Schnapsdrosseln: Alkohol im Tierreich

Igel, hoffentlich nüchtern

Wer denkt, dass lediglich Menschen gerne mal einen heben, liegt falsch. Auch Tiere sind Alkohol nicht abgeneigt. Es gibt biertrinkende Igel, im Suff randalierende Elche und Vögel, die im Rausch abstürzen. Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass nicht wenige Tiere mit Vorsatz und leidenschaftlich gerne Alkohol konsumieren. Es scheint tatsächlich so zu sein. Das legen zumindest folgende Beispiele nahe.

In der Slowakei gibt es im Herbst regelmäßig Probleme mit betrunkenen Braunbären, die in Obstgärten Äpfel stehlen. Um ihren Winterschlaf zu vertiefen, berauschen sich die Tiere vor der kalten Jahreszeit mit beträchtlichen Mengen vergorenem und dadurch alkoholhaltigem Fallobst. Im Suff verlieren sie ihre Scheu und können zur Gefahr für Menschen werden.

Randalierende Elche
Auch der Elch (Alces Alces) lebt nicht vom Brot allein und gönnt sich gerne gärendes Obst. Dann fallen die Hemmungen. In Skandinavien werden die "Breitmäuler" immer wieder auffällig. Vor ein paar Jahren haben betrunkene Elche im schwedischen Östra Göinge vor einem Altersheim randaliert und die Bewohner bedroht. Eine Polizeistreife schaffte es nicht, die wildgewordenen Paarhufer zu vertreiben. Die Tiere trollten sich erst, als bewaffnete Jäger mit Hunden anrückten.

Das ist nicht der einzige Elchübergriff, den es in Schweden in den letzten Jahren gab. Da wird von einem Elch berichtet, der auf einer Straße umhertorkelte und einen kilometerlangen Stau verursachte, ein anderer drang im Suff in eine Gesamtschule ein. Im September 2011 mussten Polizei und Einsatzkräfte einen Elch retten, bei dem es keinen Zweifel gab, dass er vergorene Äpfel gegessen hatte - er hing in einem Apfelbaum und konnte sich nicht mehr befreien.

In Alaska ist es übrigens per Gesetz verboten, Elche betrunken zu machen - aber das nur am Rande.

Vögel im Vollrausch
In Wien sind im Spätherbst 2006 reihenweise Seidenschwänze abgestürzt. Die Vögel krachten gegen Fenster und Hausmauern und brachen sich die Hälse. Wie sich herausstellte, waren die "Schluckspechte" absolut fluguntauglich, weil sie sich mit vergorenen Beeren einen Vollrausch "angefressen" hatten. Laut einem Bericht der Berliner Morgenpost kommen die Vögel inzwischen jedes Jahr, um sich einen "ankzunallen". Die Absturzquote habe mittlerweile abgenommen, weil die Tiere gelernt hätten, dass man betrunken besser nicht fliegen sollte, schreibt das Blatt ...

Abstürzende "Schnapsdrosseln" gibt es auch in Australien. Hier sind es Papageien, die sich jedes Jahr zur gleichen Zeit mit gammligen und vergorenen Früchten einen Rausch anknabbern und anschließend in der Stadt Darwin ungebremst zur Erde segeln.

Fast schon Gewohnheitstrinker sind Fledermäuse. Die essen regelmäßig überreife Früchte und haben im Lauf der Zeit eine große Resistenz gegen Alkohol entwickelt. Das heißt: Die Flattermänner sind verdammt trinkfest. Wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, dass Fledermäuse sogar nach dem Konsum relativ großer Mengen Alkohol noch sehr kontrolliert fliegen können. Auch heimische Stare, Amseln und Wacholderdrosseln sind an Alkohol gewöhnt und vertragen einiges ...

Biertrinkende Igel, die schnarchend ihren Rausch ausschlafen
Immer für ein gepflegtes Bier zu haben sind Igel. In England steuern die Stacheltiere zielstrebig Bierfallen an, die in Gärten zum Schutz gegen Schnecken aufgestellt werden. Der Inhalt wird restlos geleert. Und wenn die eine oder andere Schnecke drin ist - um so besser, die steht sowieso auf dem Speiseplan und schmeckt in Bier getunkt noch viel leckerer ...

Auch hierzulande ansässige Igel trinken gern. Zeitungen berichteten von einem stark alkoholisierten Igel, den die Filialleiterin eines Discountmarktes in Wangen (Süddeutschland) zwischen Einkaufswagen entdeckte, als sie ihren Laden öffnen wollte. Der Trunkenbold hatte sich mit einer zerbrochenen Flasche mit Hochprozentigem vergnügt und musste einer "sachkundigen Pflegerin" übergeben werden.

In Klein Bennebek (Schleswig-Holstein) fiel ein Igel unangenehm auf, nachdem er eine in einem Garten stehen gelassene Flasche Baileys leergezecht hatte und anschließend schnarchend seinen Rausch ausschlief.

Affen trinken Glühwein gegen die Kälte
Auch Affen sind natürlich keine Kostverächter, wenn es um Alkohol geht. Im Zoo in Karaganda in Kasachstan verabreichen die Wärter Primaten im Winter sogar Glühwein gegen die Kälte. Das helfe gegen Atemwegserkrankungen, sagen die Zoobetreiber, die laut eigenen Angaben streng darauf achten, dass angehende Affenmütter und -babies nicht zum Alkohol greifen.

Alkohol als Problemlöser
Ein Beispiel zeigt, dass durch Alkohol nicht nur Ärger entsteht, sondern der Stoff durchaus auch zur Lösung von Problemen beitragen kann. Hirschkäfer trinken vor Duellen gerne den vergorenen Saft, der aus Wunden in Eichenbäumen heraustritt. Dann kann es sein, dass sich zwei sturzbetrunkene Insekten schwankend gegenüberstehen und vom Ast fallen, bevor sie sich etwas antun können ...

Hier der Klassiker "Die lustige Welt der Tiere" von Jamie Uys aus dem Jahr 1974. Der Beitrag enthält einen Fehler. Gezeigt werden vermeintlich angetrunkene Tiere, nachdem sie vergorene Früchte des Marula-Baumes gegessen haben. Zu sehen sind auch torkelnde Elefanten. Die haben in Wirklichkeit kaum eine Chance, sich an alkoholhaltigen Früchten zu berauschen. Wissenschaftler der University of Bristol haben vor ein paar Jahren ausgerechnet, dass ein Elefant rund 700 vergorene Marula-Beeren in sich hineinstopfen müsste, um überhaupt nur ansatzweise beschwipst zu sein ...

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